Unerträumte Möglichkeiten – Leseförderung im Fokus der Unterrichtsentwicklung
Besonders in der Zeit moderner Medien und KI stellt Lesekompetenz in all ihren Facetten eine zentrale Schlüsselqualifikation dar. An der Auberlen-Realschule steht sie in den kommenden Jahren im Fokus der Unterrichtsentwicklung.
Schule muss sich an die neue Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler anpassen
Unterrichtsentwicklung ist ein stetiger Prozess, mit dem man nie fertig ist. Die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler und die beruflichen Anforderungen verändern sich ständig, daher muss auch Schule sich ständig weiterentwickeln.
Breite Datengrundlage zur Steuerung des Entwicklungsprozesses
Um diesen Prozess zu steuern, setzen die Schulen in Baden-Württemberg auf den Prozess der datengestützten Qualitätsentwicklung. Informationen aus zentralen und individuellen Erhebungen zu Lernstand und Schülerwohlbefinden fließen an jeder Schule in ein sogenanntes „Schuldatenblatt“ ein. Dieses wird von Schulleitung und Lehrkräften der Schule regelmäßig analysiert und diskutiert. Auf dieser Grundlage werden in Absprache mit den staatlichen Schulämtern die Entwicklungsziele einer Schule für die nächsten Jahre festgelegt. Orientierung und Unterstützung bietet den Schulen dabei der „Referenzrahmen Schulqualität Baden-Württemberg“. In jährlichen Gesprächen zwischen den Schulen und den Schulämtern wird der Stand der Entwicklung evaluiert.
Sprache als Inhalt und Medium
Lesekompetenz ist schon allein deshalb von zentraler Bedeutung für die Unterrichtsentwicklung, da Sprache – insbesondere im Fach Deutsch – Unterrichtsinhalt ist und gleichzeitig in allen Fächern das Medium oder Werkzeug mit dem Inhalte erarbeitet und ermittelt werden. Eine Verbesserung der Lesekompetenz wirkt sich daher immer positiv auf den Lernerfolg in allen Fächern aus. Dies ist einer der Gründe dafür, dass sich die Auberlen-Realschule entschieden hat, in diesem Bereich einen Schwerpunkt zu setzen.
Herausforderungen durch veränderte Lesegewohnheiten
Im Leben vieler Schülerinnen und Schüler nimmt das Lesen von Büchern, Tageszeitungen und Magazinen heute nur noch einen geringen Stellenwert ein. Es dominiert der Konsum von Kurztexten im Internet und in sozialen Medien, die nicht immer aus vertrauenswürdigen Quellen stammen. Die Schule hat in diesem Zusammenhang mehrere Aufgaben:
- Die Kompetenz der Schülerinnen und Schüler aufzubauen und zu erweitern, Informationen auch aus langen und komplexen Texten zu entnehmen.
- Schülerinnen und Schülern, für die Deutsch nicht Muttersprache, sondern Zweitsprache ist, besondere Unterstützungsangebote und Übungsmöglichkeiten an die Hand zu geben.
- Herausforderungen für Schülerinnen und Schüler zu bieten, die bereits starke Leser sind.
- Durch das Schaffen positiver Leseerlebnissen sowie das Bereitstellen geeigneter Angebote den Schülerinnen und Schülern „Lust auf Lesen“ machen.
- Den Schülerinnen und Schülern Werkzeuge zum kritischen Lesen an die Hand geben, damit sie in der Lage sind, die Glaubwürdigkeit von Texten richtig einzuschätzen und Informationen aus sozialen Medien zu hinterfragen.
- Und schließlich Brücken vom Lesen zum Schreiben zu bauen und an den Einsatz von Sprache als kreatives Gestaltungswerkzeug heranzuführen.
Von der Theorie zur Praxis
Wie sieht nun die konkrete Umsetzung der genannten Ziele an der Auberlen-Realschule aus? Hier ist man sich einig, dass die Stärkung der Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler eine Aufgabe ist, die in allen Fächern umgesetzt werden und von allen Lehrkräften gemeinsam angepackt werden muss. Dabei sollen nicht nur schwache Schülerinnen und Schülern unterstützt, sondern auch die vielen starken Schülerinnen und Schülern, die es an der Schule gibt, gefordert werden.
Strukturierter Kompetenzaufbau
Um dies zu erreichen, ist die Leseförderung in den schulinternen Curricula aller Fächer fest verankert. Besonderen Raum nimmt das Lesen natürlich im Curriculum des Faches Deutsch ein, hierfür sind jede Woche feste Lesezeiten vorgesehen, in denen mit Hilfe verschiedener Methoden die Lesekompetenz geschult wird. Dazu gehört zum Beispiel das Tandem-Lesen, bei dem schwächere und stärkere Schülerinnen und Schüler gleichermaßen und differenziert im flüssigen Lesen geschult werden. Zur kontinuierlichen Überprüfung der Lesekompetenzen der Schüler werden im Rahmen des Deutschunterrichts regelmäßig standardisierte Tests zur Lesegeschwindigkeit durchgeführt.
Unterstützungsangebote für schwache Schülerinnen und Schüler
Für Schülerinnen und Schüler, die erst seit wenigen Jahren Deutsch lernen, gibt es gezielte Sprachförderkurse, die diese parallel zum „normalen“ Unterricht besuchen. Auch in diesen Sprachförderkursen kommt der Entwicklung der Lesekompetenz eine zentrale Bedeutung zu.
Herausforderungen für starke Schülerinnen und Schüler
Für starke Schülerinnen und Schüler gibt es die Möglichkeit ihre Fähigkeiten in Klassenstufe 6 bei der Teilnahme am jährlichen Lesewettbewerb zu beweisen. Hierbei zeigen die Teilnehmenden ihre Fähigkeiten im Vorlesen vorgegebener und selbstgewählter Texte.
Ganz besonders begeisterte Leserinnen und Leser finden sich in der Bibliotheks-AG. Diese Schülerinnen und Schüler pflegen und erweitern die Bibliothek der Auberlen-Realschule, die viele spannende Kinder- und Jugendbücher zur Ausleihe bereit hält. Zusätzlich werden im Rahmen der Bibliotheks-AG regelmäßig Lesetrainings für Schülerinnen und Schüler angeboten, bei denen die jeweiligen Deutschlehrkräfte Unterstützungsbedarf sehen.
Eine ganz besondere Art der Leseförderung findet im Rahmen der Bläserklasse der Auberlen-Realschule statt: Die Schüler lernen hier nicht nur ein Blasinstrument zu spielen und gemeinsam zu musizieren, sondern auch das Notenlesen. Das Erlernen und Einüben der Notenschrift, wirkt sich nachweislich auch positiv auf das Lesen sprachlicher Texte aus.
Lust auf Lesen
All diese Maßnahmen haben jedoch keine dauerhafte Wirkung, wenn die Schülerinnen und Schüler das Lesen nur als Last und Zwang empfinden. Sie müssen Freude am Lesen entwickeln, damit sie ihre Lesekompetenzen auch außerhalb der Schulzeit und des Klassenzimmers kontinuierlich weiterentwickeln.
Aus diesem Grund besuchen die Schülerinnen und Schüler der Auberlen-Realschule bereits in Klassenstufe 5 gemeinsam die Stadtbücherei, wo sie in die Welt der Bücher eintauchen.
Außerdem nimmt die Auberlen-Realschule seit vielen Jahren an der Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ zum Welttag des Buches teil. Hierbei bekommen alle Schüler aus Klassenstufe 5 einen Comicroman geschenkt, der dann gemeinsam im Unterricht gelesen wird.
Momentan wird darüber hinaus in allen Klassen eine eigene Klassenbibliothek eingerichtet, sodass Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, in Vertretungsstunden in ihrem eigenen Lieblingsbuch zu lesen oder zu entdecken, was ihre Klassenkameraden gerade interessiert.
Kritisch hinterfragen
In der Zeit von „Fake News“ und KI-generierten Inhalten kommt dem kritischen Hinterfragen des Gelesenen eine größere Bedeutung zu als je zuvor. Die sogenannte „Fünf-Schritt-Lesemethode“ legt dafür bereits in Klassenstufe 5 und 6 die Grundlage. In wiederkehrenden Abständen wird darüber hinaus in allen Klassenstufen der kritische Umgang mit sozialen Medien und die richtige Einordnung von Quellen aus dem Internet thematisiert, unter anderem in Form eines Workshops zum Thema „Fake-News“ der in Klassenstufe 9 in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung durchgeführt wird.
Kreativität fördern
Auch der Schritt vom Lesen zum kreativen Gestalten besitzt einen hohen Stellenwert. Bereits in Klassenstufe 5 und 6 erstellen die Schüler beispielsweise Schuhkartondioramen zu Fabeln und Märchen, zeichnen im Kunstunterricht Comics zu den Büchern, die sie gerade lesen oder setzen die Inhalte einer Lektüre mit geeigneten Apps wie „Book Creator“ am iPad in Szene. Dabei drücken sie ihre beim Lesen aktivierte Fantasie aus. Spätestens ab Klassenstufe 7 setzen die Schülerinnen und Schüler die gelesenen Inhalte auch szenisch in Form kleiner Szenen und Standbilder um.
Unerträumte Möglichkeiten
Aldous Huxley wird das Zitat nachgesagt: „Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.“ Das Leseförderkonzept der Auberlen-Realschule stellt sicher dass die Schülerinnen und Schüler ihre Möglichkeiten stetig erweitern können, die Welt, in der sie leben, zu erschließen und zu gestalten.